Die Qualität der steirischen Weine wächst im Weingarten.
Unsere Weinbauern sind daher wie keine andere Berufsgruppe von Mutter Natur abhängig. Nicht nur von Weinbauern – unmittelbar vom Wein leben zehntausende Menschen. Vom Winzer selbst über die Arbeitsplätze in der Landmaschinentechnik mit allem was dazu gehört wie Edelstahltank, Fässer, Korken, Kapseln usw., in der Gastronomie, Logistik, Werbung, Tourismus, im Glashandel etc. Alle stellen sich da Fragen: „Wie wird der Wein?“. „Wie war das Weinjahr?“
Das Weinjahr 2010 Nach einem Winter mit klirrende Kälte um die Weihnachtsfeiertage 2009 so an die Minus 20°C ließen die Weinbauern an das Wohlergehen der Rebstöcke denken. Es gab ausreichenden Winterniederschlag. Kühle Temperaturen zu Märzbeginn folgte eine rasante Erwärmung um den 20. März. Schon wieder ein trockenes Frühjahr.
Ab April erfolgte Frühjahrserwärmung in Zeit in Etappen. Überraschend erfolgte dann in der Karwoche wegen der nochmals stark ansteigenden Temperaturen der Knospenaufbruch. Erste grüne Triebteile waren ab 10. April sichtbar. Ein frühes Jahr kündigte sich an. Durch die unmittelbar folgende kühlere Wetterphase verzögerte sich allerdings der Austrieb wieder. Am 25. Mai erreichten die Temperaturen erstmals um die 30°C. Grundsätzlich war das Frühjahr trockener als im langjährigen Durchschhnitt, es gab einen sehr gleichmäßigen Austrieb bei nicht zu rasantem Wachstum, sodass die Weinbauern die anfallenden Laubarbeiten zeitgerecht und ohne Hektik durchführen konnten.
Mit den ersten Junitagen begann in den Gunstlagen die Rebblüte. Stark ansteigende Temperaturen mit ersten Tropentagen (Tage über 30°C) um den 10. Juni begünstigten den Blühverlauf, sodass der folgende Temperatursturz ab Mitte Juni nur mehr Verrieselungen im untergeordneten Maß zuließ. Der Juni war ebenso von Trockenheit geprägt. Ende des Monats hatten wir bereits ein Niederschlagsdefizit von etwa 100 mm gegenüber dem langjährigen Durchschnitt.
Der Juli war der Hitzemonat schlechthin. Nahezu die Hälfte der Tage wurden als Tropentage verzeichnet – möglicherweise ein Rekord –, die Vegetation war durch starke Trockenheit geprägt. Ende des Monats betrug das Niederschlagsdefizit bereits 150 mm. Die Rebenentwicklung in dieser Phase war wegen des limitierten Wasserangebotes sehr gut, das Wachstum aber nicht zu üppig, sodass sämtliche Laubarbeiten auch in dieser Phase ohne wesentliche Arbeitsspitzen erledigt werden konnten.
Auch der August begann mit extremer Hitze, jedoch erreichten uns zu dieser Zeit die ersten wirklichen Starkregen. Gerade noch rechtzeitig, die Niederschläge verhinderten für die Reben den gefürchteten Trockenstress. Die Üppigkeit des Regens (August teils über 200 mm) beschleunigte noch einmal das Wachstum und die Entwicklung. Leider stieg in dieser Phase auch der Pilzdruck. Sorgfalt und Umsichtigkeit waren gefragt, zum Schutz der Reben. In dieser Zeit gab es einen kräftigen Entwicklungsschub. Noch in der ersten Monatshälfte hatten die meisten Rebsorten durch Zuckereinlagerung weiche Beeren. Man spekulierte bereits mit einem sehr guten Jahr.
Die im August gefallenen Niederschläge hätten für die Versorgung der Reben ausgereicht. Die übermäßig starken Regenfälle, verursacht durch ein Adriatief zu Mitte September mit meist um die 100 mm Niederschläge, erforderten starkes Vor- bzw. Auslesen. Der Druck im Weingarten nahm zu, doch zu diesem Zeitpunkt war die Reife der Beeren so weit fortgeschritten, dass die Ernte für den Junker aber auch für die meisten Klassiksorten starten konnte. Konsequentes Vorlesen, aber auch tägliches Beobachten der Rebstöcke sowie der Wetter- und Reifeentwicklung waren für das Zustandekommen höchster Qualitäten wie jedes Jahr unabdingbar. Die Weinlesefeste im steirischen Weinland ab Anfang Oktober fanden bei schönem Wetter statt. Der erste Botschafter des Weinjahres 2010 – der frische Sturm – mundete den Gästen, während in manchen Lagen noch immer Trauben am Rebstock waren.
Wie schmeckt der neue Jahrgang? Der Jahrgang 2010 ist auf jeden Fall wieder ein Jahrgang der den fleißigen Weinbauern belohnt, ein sog. „Winzer-Jahrgang“ – wer in den Weingärten kompromisslos arbeitete sowie die Erträge nieder hielt, wurde mit gut reifen Trauben in den Weingärten belohnt. Beim 2010er stand insbesondere die Physiologische Reife im Vordergrund.
Unglaublich fruchtintensiv und aromatisch mit strahlend-lebendiger Säure – eigentlich ein typischer Steirer wie er von vielen Weinfreunden gesucht wird - und herrlich viel Sortentypus. Die Weine präsentieren sich jetzt schon sehr zugänglich und trinkanimierend. Besonders die Vertreter der klassisch ausgebauten Steirerweine werden hier viel Freude bereiten.
Noch lagern sie in den Fässern - die spät geernteten Lagenweine - sie werden aber durch Fruchttiefe und Mineralität begeistern. Ab kommenden Herbst sind die ersten Vertreter am Markt zu erwarten.
Resümee: 2010 ist ein Jahrgang mit Ecken und Kanten. Weinbauern, die eine konsequente und umsichtige Arbeit im Weingarten geleistet haben, konnten sich die Qualität dieses Jahrgangs erschließen.
Ing. Werner Luttenberger
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